Polyamid- oder Polypropylenräder? Vergleich von Belastbarkeit, Haltbarkeit und Einsatzbereichen

Kurz gesagt – wann welches Rad?

  • Maximale Tragfähigkeit, Abriebfestigkeit, präziser Lauf → Polyamidräder (PA)
  • Geringere Kosten, hervorragende Chemikalienbeständigkeit, Einsatz bei Feuchtigkeit → Polypropylenräder (PP)
  • Empfindliche Böden / niedriger Geräuschpegel → Räder mit elastischer Lauffläche (z. B. Polyurethan auf PA-/PP-Kern) oder Gummi/Elastomer.

Unterschied der Materialien (Polyamid vs. Polypropylen)

Polyamid (PA, z. B. PA6/PA6G/PA12)

  • Mechanische Festigkeit und Steifigkeit: hoch; sehr gute Abriebfestigkeit.
  • Tragfähigkeit der Räder: höher als bei PP bei gleicher Baugröße.
  • Laufeigenschaften: geringer Rollwiderstand; laufen „leicht“ auch bei hoher Last.
  • Arbeitstemperatur: typischerweise -20 … +80 °C (kurzzeitig höher je nach PA-Typ).
  • Feuchtigkeit: nimmt Wasser auf → leichtes Quellen, Änderung der Eigenschaften (etwas geringere Härte, bessere Schwingungsdämpfung).
  • Chemikalien: gut beständig gegen Öle/Mineralien, schwächer bei starken Säuren/Laugen.
  • Geräusch/Böden: hart (hoher Shore-D-Wert) → lauter und aggressiver zu empfindlichen Böden.

 

 

Polypropylen (PP)

  • Mechanische Festigkeit: geringer als bei PA; geeignet für mittlere Belastungen.

  • Tragfähigkeit: niedriger als PA bei gleicher Größe.

  • Arbeitstemperatur: ca. -10 … +60/70 °C; bei Kälte spröder als PA.

  • Feuchtigkeit: nahezu keine Wasseraufnahme → dimensionsstabil in feuchter Umgebung.

  • Chemikalien: sehr gute Beständigkeit gegen Säuren, Laugen und Salze; weniger beständig gegen aromatische Kohlenwasserstoffe/Oxidationsmittel.

  • Kosten: meist günstiger als PA; gute Budgetlösung.

  • Geräusch/Böden: ebenfalls hart, aber etwas „sanfter“ als PA; dennoch härter als Elastomere.

 

 

 

Hinweis: Die tatsächlichen Eigenschaften hängen von der Materialrezeptur, der Gussqualität, der Radkonstruktion (Wandstärke, Nabe), der Lagerart und eventueller Laufflächen ab.


Vergleich der wichtigsten Kunststoffrad-Parameter

Merkmal / Kriterium Polyamidräder (PA) Polypropylenräder (PP)
Tragfähigkeit ★★★★☆ – hoch ★★☆☆☆–★★★☆☆ – mittel
Abriebfestigkeit ★★★★☆ ★★★☆☆
Rollwiderstand unter Last gering mäßig
Chemikalienbeständigkeit gut in Ölen, schwach bei starken Säuren/Laugen sehr gut bei Säuren/Laugen/Salzen
Feuchtigkeit / Wasseraufnahme nimmt Feuchtigkeit auf nahezu keine Aufnahme
Einsatz bei Kälte gut bis ca. -20 °C akzeptabel bis ca. -10 °C (mögliche Sprödigkeit)
Geräusch höher (hart) mittel (hart)
Einfluss auf Böden höheres Risiko von Spuren/Kratzen moderates Risiko
Preis höher niedriger

   

      

 

Belastbarkeit und Lebensdauer – was zählt wirklich?

  1. Gesamtlast und Lastverteilung: Berechnen Sie die reale Radbelastung.

    • Faustformel:
      Tragfähigkeit pro Rad ≥ (Ladung + Wagengewicht) / Anzahl Räder × Sicherheitsfaktor (1,2–1,5).

    • Beispiel: 500 kg Ladung + 100 kg Wagen, 4 Räder → 600/4 = 150 kg. Mit 1,3 Sicherheitsfaktor → ≥ 195 kg/Rad.

  2. Bodenbeschaffenheit: Pflaster, Fugen, Schwellen und Unebenheiten erzeugen Stöße:

    • PA verkraftet hohe Punktbelastungen und Abrieb besser.

    • PP ist leichter, ermüdet aber schneller bei harten Stößen.

  3. Geschwindigkeit und Zyklus: Je schneller und häufiger, desto wichtiger sind:

    • Lagerqualität (Kugel-/Rollenlager, Abdichtung),

    • Rundlauf und Koaxialität,

    • Kühlung (bei Hitze verlieren beide Materialien Steifigkeit).

  4. Chemische Umgebung und Feuchtigkeit:

    • Säuren/Laugen → Vorteil PP.

    • Öle/Kohlenwasserstoffe → Vorteil PA (je nach Medium).

    • Dauerhafte Feuchte → PP bleibt formstabil; PA kann leicht aufquellen.

  5. Geräusch und Böden:

    • Harte Räder (PA/PP) = niedriger Rollwiderstand, aber mehr Lärm und Risiko von Bodenbeschädigung.

    • Für empfindliche Böden → Polyurethan-Lauffläche auf PA-/PP-Kern.


Anwendungen – wo eignen sich welche Räder?

Polyamidräder (PA):

  • Wagen mit hoher Dauerbelastung (Lager, Produktion).

  • Linien, wo präziser Lauf und geringer Widerstand wichtig sind.

  • Umgebungen mit Ölen/Fetten und moderater Temperatur.

  • Anwendungen mit starkem Abrieb (häufige Richtungswechsel unter Last).

Polypropylenräder (PP):

  • Wagen mit mittleren Lasten und intermittierendem Betrieb.

  • Feuchte und stark chemische Umgebungen (Waschanlagen, Lebensmittelverarbeitung, Labore).

  • Budgetlösungen, bei denen Kosten entscheidend sind.

  • Interner Transport auf glatten Böden ohne Stöße.


Welche Räder für den Wagen? Praktische Checkliste

  1. Tragfähigkeit berechnen (Formel oben) und Sicherheitszuschlag einplanen.

  2. Boden und Hindernisse prüfen – harte Böden/schwere Last → PA; glatte Böden/leichte Last → PP.

  3. Chemie & Feuchtigkeit: Säuren/Laugen → PP; Öle → oft PA.

  4. Arbeitstemperatur: nahe 0 °C oder darunter → PA meist sicherer.

  5. Geräusch/Bodenempfindlichkeit: PU-Lauffläche auf PA-/PP-Kern in Betracht ziehen.

  6. Lagerung: für Dauerbetrieb Kugellager; für gelegentliche Nutzung Gleit-/Rollenlager.

  7. Raddurchmesser: größerer Durchmesser = leichteres Überfahren von Hindernissen, geringere Punktlasten.

  8. Reinigung/Wartung: häufige Reinigung/Chemikalien → PP; Schmierumgebung → PA.


Beispielhafte Auswahl-Szenarien

  • Lagerwagen 800 kg, Betonboden, Dauerbetrieb → Polyamidräder mit Kugellagern, Ø 125–160 mm.

  • Waschwagen, Kontakt mit Laugen, 300 kg → Polypropylenräder, ggf. größerer Durchmesser für Komfort.

  • Intralogistik, Harzboden, geringe Geräusche erwünscht → PA-/PP-Kern + PU-Lauffläche.

  • Kühlhaus ca. -15 °C → vorzugsweise PA; PP kann spröde werden (Materialdatenblatt prüfen).


Häufige Fehler bei der Auswahl von Kunststoffrädern

  • Tragfähigkeit „auf Kante“ berechnet (ohne Reserve für Stöße).

  • Chemische Umgebung/Feuchtigkeit ignoriert.

  • Zu kleiner Durchmesser für Schwellen oder Fugen.

  • Harte Räder auf empfindlichen Böden – Kratz- und Geräuschrisiko.

  • Falsche Lagerwahl für Geschwindigkeit oder Umgebung (fehlende Abdichtung).


FAQ – Kurze Antworten auf häufige Fragen

Sind Polyamidräder langlebiger als Polypropylenräder?
Ja – bei höheren Belastungen, Abrieb und intensiver Nutzung sind PA-Räder meist haltbarer.

Sind Polypropylenräder chemikalienbeständiger?
Ja – PP ist hervorragend beständig gegen Säuren, Laugen und viele Salze. Ideal für stark korrosive Umgebungen.

Welche Räder sind leiser?
Beide sind hart und daher eher laut. Für leiseren Lauf → Räder mit Polyurethan- oder Elastomerlauffläche.

Quillt Polyamid im Wasser?
Ja, PA nimmt Feuchtigkeit auf, was Maße und Härte leicht verändern kann. In vielen Anwendungen unkritisch, aber zu beachten.

Wie wählt man den Durchmesser?
Je größer der Durchmesser, desto leichter das Überfahren von Hindernissen und desto geringer der Rollwiderstand. Für unebene Böden ab Ø 125 mm aufwärts empfohlen (je nach Last und Konstruktion).

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